Klo-Code entschlüsselt:

Zwei kleine Buchstaben können ein solch großes Rätsel aufgeben! Sicher sind euch hier und da auch schon diese charmanten alten Toilettenhäuschen in Berlin aufgefallen (vielleicht auch, weil die Blase drückte). Warum aber steht über einigen Herren-Klos die Abkürzung PP?

Im Netz finden sich viele Antworten auf die Frage. Das fängt an mit naheliegenden Vorschlägen wie PiPi oder PissPot, geht über PinkelPause bis hin zu pflegebedürftige Person und PolyPropylen (ein Werkstoff aus dem haustechnischen Bereich zur Fertigung von Becken diverser Art).

Berlin-Toilette-Herren PP-1a

Doch so viel kreativen Spielraum diese Buchstabenkombination auch geben mag, es gibt doch nur eine Lösung zu diesem (städtischen) Geheimnis. Und die ist: Pariser Pissoir! Klingt logisch und langweilig? Weit gefehlt. Toilettenhäuschen mit dieser Bezeichnung haben nämlich eine lange Geschichte – und ja, sogar Stil.

The Place to Pee

Zeitsprung: Paris Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Stadt stinkt, jeder verrichtet sein Bedürfnis dort, wo es ihm gerade gefällt. Meist mitten auf der Straße. Das konnte nicht so weitergehen. Die Stadt reagiert, errichtet gusseiserne Toilettenhäuschen. Allerdings nur für Männer, damit wenigstens sie im Stehen ihr Geschäft erledigen konnten. Schnell etablierten sich die praktischen, diskreteren Örtchen. Und galten bald sogar für Napoleon III. als Aushängeschild seiner angestrebten Transformation der französischen Metropole zu einer der modernsten Städte Europas.

Auch Berlin wollte diesem Klo-Trend in Nichts nachstehen. 1824 soll es bereits eine sogenannte öffentliche Urinieranstalt gegeben haben. Wie gut, dass Herr Litfaß gerade dabei war, seine ersten Werbesäulen aufzustellen. Denn in einigen von ihnen ließen sich leicht Pissoirs verstecken. Bingo! So schlug man zunächst zwei Fliegen mit einer Klappe.

                                                          Stil(le)-Örtchen

Berlin-Toilette-Herren PP-3Schon im Jahr 1876 gab es weit über 50 dieser Einrichtungen in der Hauptstadt. Klar, dass darin Potential lag. Nicht nur zur Eindämmung der Geruchsbelästigung. Nein, auch für Architekten. Richtige Wettbewerbe waren ausgeschrieben, um die attraktivste Toilette zu kreieren (mehr Infos). LAUTE Hingucker sollten es werden, diese STILLEN Örtchen. Für Damen-Klos gab es allerdings erst Jahrzehnte später die ersten Entwürfe. Im 20. Jahrhundert dann integrierten die Bauherren die Toilettenhäuschen gleich als massive Elemente in ein größeres Ensemble, wie jenes an den DRK-Kliniken in Westend (siehe Fotos) zeigt. Geblieben ist an einigen Standorten die nostalgische Bezeichnung PP. Das beinhaltet natürlich ebenfalls den unaufdringlichen Hinweis, dass Sitzen hier – wie das Pariser Vorbild lehrt – unmöglich ist.

                                                          Text (je), Fotos (je)